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Ich habe mich sehr gefreut, dass Peter Bettin, CEO Sybac Systems – der zuvor in den unterschiedlichsten Firmen als Vorstand und Geschäftsführer tätig war – kürzlich Zeit für ein Interview mit mir hatte. Ich lernte Peter über eine israelische Freundin kennen, in deren israelischer Hightech Firma er im Aufsichtsrat war.

Da Peter sogar im „Silicon Wadi“  geschäftlich unterwegs war, hat er – wenig überraschend – sehr Interessantes zu den neuesten Trends und Herausforderungen, die auf Unternehmen in Zukunft zukommen werden, zu sagen.

J. B.: Welche Erlebnisse in deinem Leben haben dich besonders geprägt?

P. B. : Meine sowohl italienische als auch deutsche Wurzeln haben mir sehr früh eine vielfältigere Welt gezeigt, als nur eine gelebte kulturelle Identität. Diese sehr unterschiedlichen Impulse waren–  insbesondere in meiner Jugend –  zugleich manchmal auch eine große Herausforderung. Sie haben mir aber gezeigt, dass die Welt vielschichtiger ist, als nur eine (kulturelle) Wahrheit. Nach der mittleren Reife habe ich mit 15 eine Lehre gemacht und dies hat mich früh in Verantwortung gebracht. Ebenso der relativ frühe Tod meines Vaters.

J. B.: Was wolltest Du als Kind werden / was bist du geworden? Was war damals die Vision für dein Leben?

P. B.: Förster. Mich hat immer der Wald und insbesondere Bäume fasziniert. Ich habe aber erst eine kaufmännische Lehre und anschließend ein Ingenieurstudium gemacht. Ich war und bin immer neugierig gewesen, eine vielschichtige Welt zu entdecken.

J. B.: Was ist für dich Sinn im Leben?

P. B.: Glück in meinem Tun und Sein zu empfinden, die Menschen in meinem Umfeld dabei einzubeziehen. Persönliche Weiterentwicklung, nachhaltig Gutes zu tun und dabei in meinem „Werterahmen“ erfolgreich zu sein (oder vice versa) und ein schönes Leben führen.

J. B.: Wie wichtig ist er – auch bei deiner Arbeit?

P. B.: Eben dieses hat sich in meiner Karriere widergespiegelt. Entdecken, gestalten und mit Freude erfolgreich sein. Dieses für mich und zugleich mit den Menschen, mit denen ich lebe, arbeite, Zeit verbringe oder gestalte.

J. B.: Was treibt dich an?

P. B.: Spaß und Erfolg, inspirierende Menschen.

J. B.: Was bremst dich manchmal?

P. B.: Kleine Männer. Borniertheit, übertriebenes Ego, wrong time – wrong place – d. h. zu früh oder zu spät zu sein.

J. B.: Was/Wer hat dich am meisten geprägt?

P. B.: Wechselnde Sponsoren in jedem Lebensabschnitt haben mir entscheidende Entwicklungsimpulse und durch Vertrauen große Chancen gegeben.

J. B.: Welche Trends/Entwicklungen beobachtest du in der Arbeitswelt?

P. B.: Sehr häufig nehme ich leider Ängste der Menschen wahr, mangelnde Authentizität der Führungskräfte und Leitung, überzogener Ergebnis- und Zeitdruck, Unternehmen, die Menschen verschleißen, Menschen, die das mit sich machen lassen. Zugleich wächst eine Generation heran, die sich diesen alten Mustern der Arbeitswelt entziehen und das ist auch gut so.

J. B.: Was sind die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren für Unternehmen?

P. B.: Disruptive Veränderungen durch die Digitalisierung, Globalisierung und veränderte Spielregeln. Alte Erfolgsmuster ziehen nicht mehr und es braucht eine neue Form der Führung mit klaren Zielen, einem Wertrahmen, Spielregeln für Rollen und Verantwortungen bei einer neuen Form der Kooperation und Incentivierung.

J. B.: Was glaubst du welche Fähigkeiten/ innere Haltung Mitarbeiter aber insbesondere Führungskräfte in Zukunft haben müssen?

P. B.: Unter gemeinsamen Werten und mit klar definierten Zielen in vereinbartem Rahmen zusammenspielen zu können.

J. B.: Glaubst du dass es sich auf Menschen auswirkt, wenn Unternehmen eine Vision haben, die begeistert, eine Mission und Werte die als Orientierung dienen ?

P. B.: Ohne ein Gerüst aus Vision, Strategie/Mission und ein klares Wertgerüst wird ein Unternehmen niemals nachhaltig erfolgreich sein. Das ganze funktioniert aber nur, wenn dieses auch authentisch gelebt wird und hieran scheitern viele Unternehmen. Es fehlt oft bereits an solch einem klaren Bild in der Unternehmensführung und/oder es scheitert in der Übersetzung an „Microegos“.

J. B.: Hast du einen Leitsatz für dein Leben?

P. B.: Ja, Goethe trifft das kölsche, „Arsch hoch, Zäng useinander stilvoller….“Säume nicht Dich zu erdreisten, wenn die Menge zaudernd schweift, alles kann der Edle leisten, der versteht und rasch ergreift…“

J. B.: Wie definierst du für dich Erfolg?

P. B.: Wenn ich mich nach Anstrengung freue.

J. B.: Wie viel Erfolg brauchst du ganz persönlich? Wie definierst du ihn?

P. B.: Anstrengungen werden mit Erfolg entlohnt. Dies kann beruflich ein Projekt sein, persönlich ein sportliches Ziel oder aber auch eine spirituelle Herausforderung.

J. B.: Wie stark korreliert dein Glücksempfinden mit deinem Erfolg im Leben?

P. B.: Erfolg verschafft Glücksempfinden, tiefes Glücksempfinden kommt aber aus einer inneren Haltung, bei der kleine Erlebnisse Freude und Glück entstehen lassen.

J. B.: Glaubst du dass man Ausstrahlung braucht um Erfolg zu haben?

P. B.: Nein. Es gibt auch Glückstreffer. Grundsätzlich ist aber die Wahrscheinlichkeit höher, das Menschen mit Ausstrahlung Erfolg haben, weil diese eher als „Führer“ akzeptiert werden. Das dieses aber auch in die Hose gehen kann wissen wir zugleich auch aus der Geschichte …

J. B.: Wenn du eine Eigenschaft an dir dazu bekommen könntest? Was wäre die?

P. B.:  Mehr Gelassenheit und Ruhe. Dinge mal einfach sein lassen.

J. B.:  Wie definierst du Erfolg im Leben zu haben. Was ist das für dich persönlich?

P. B.: Eine nachhaltige und sinnhafte Spur verkörpert einen Erfolg. Für mich ist auch Erfolg, wenn handeln zu positiven Veränderungen führt.

J. B.: Beobachtest du ab und zu deine Gedanken?

P. B.: Gedanken sind wie Wolken und diese ziehen ständig vorbei. Schöne und weniger schöne Gedanken. Die Kunst ist es Gedanken auch mal einfach ziehen zu lassen.

J. B.: Wie schaltest du ab?

P. B.: Cave und schraube an alten Motoren. Sport. Yoga.

J. B.: Was ist schlimmer: zu scheitern oder etwas gar nicht zu machen?

P. B.: Letzteres.

J. B.: Bist du glücklich wenn etwas Schönes passiert oder immer wenn nichts Schlimmes passiert?

P. B.: Ja bei etwas Schönem und gerne bei auch kleinen, unbedeutenden Dingen, die einen lächeln lassen, dann diese bewusst als Glück wahrzunehmen. Gelingt aber nicht immer.

J. B.: Wie oft glaubst du ist gar nicht real was du denkst oder annimmst über Menschen/Situationen?

P. B.: Real ist im subjektiv aus unserem ureigenen Verständnis. Oft/zumeist gibt es einen Kontext, den wir (ich) nicht kennen und damit ist eine Realität auch stets subjektiv. Hierdurch wird unsere Realität oft anders als die Realität eines anderen Menschen. Zugleich glaube ich aber, dass es zwischen Menschen eine ähnliche Subjektivität gibt und damit wird die Realität zumindest ähnlich wahrgenommen. Über Zeit kann sich dieses aber auch verändern.

J. B.: Was fasziniert dich an anderen Menschen?

P. B.: Wenn eine Interaktion, in der Regel Kommunikation oder gemeinsames Erleben mich stimuliert und mich glücklich anregt. In der höchsten Ausprägung als eine Art Synchronität.

J. B.: Wie gerne hörst du nicht selbst auf dich?

P. B.: Wenn mich andere Meinungen im o. g. Sinne stimulieren, dann höre ich gerne nicht auf mich.

J. B.:  Bist du ehrgeizig? Warum?

P. B.: Ja. Vielleicht im Leistungssport „gelernt“? Vielleicht auch in meiner DNA.

J. B.: Wovon hängt glücklich sein deiner Meinung nach ab?

P. B.: Nur von der inneren Haltung.

J. B.: Was ist Glück für dich?

P. B.: Wenn es meinen Kindern gut geht und mit Freunden lachen wohl am ehesten. Es gibt „Bilder“ die ich mit Glück assoziiere: Am Feuer sitzen z. B., mit dem Motorrad durch minütlich wechselndes Kleinklima zu fahren, mit dem Kayak auf einem Fluss in der Strömung zu sein, Surfen, Segeln, Drachenfliegen, Biken, Sport überhaupt sind Erlebnisse, bei denen ich Endorphine ausschütte. Sehr generell zieht es mich in die Natur …

J. B.: Wie oft schaffen sich deine Probleme von alleine aus der Welt?

P. B.: Zu selten. Das liegt aber auch daran, dass ich zumeist ein Macher bin. Ich denke ich sollte auch mal häufiger einfach aussitzen.

J. B.: Was hättest du gerne schon mit 20 gewusst?

P. B.: Mehr Sprachen.

J. B.: Welche Werte hast du und nach welchen Werten suchst du sie aus? Immer die gleichen?

P. B.: Meine Werte entstammen einer christlichen Erziehung und einer humanistischen Grundhaltung. Zunehmend prägt mich ein achtsames buddhistisches Weltbild.

J. B.: Glaubst du dass die Dinge eigentlich ziemlich einfach sind, wir uns nur meist selbst im Weg stehen?

P. B.: Nein, das glaube ich nicht. Eher ist es so, daß Zusammenhänge einer komplexen Natur entspringen.

J. B.: Warum ist es oft so kompliziert auf einfache Lösungen zu kommen?

P. B.: Weil wir den Prozess zunächst der Abstraktion und der darauffolgenden Vereinfachung & Fokussierung nicht beherrschen. Steve Jobs hat dies mit dem iphone einer ganzen Industrie gezeigt und nur Wenigen gelingt es in solch beeindruckender Weise.

J. B.: Glaubst du dass unsere Gedanken das einzige Limit zu dem sind was wir tun können?

P. B.: Ich bin nicht sicher diese Frage zu verstehen. Gedanken führen zu Handlungen, die etwas verändern. Zugleich glaube ich mittlerweile auch, dass Gedanken selbst zu Veränderungen führen. Positive Gedanken wirken sich ebenso aus und negative Gedanken auch. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Wenn wir uns etwas ganz stark (gedanklich) wünschen, so kann dieses ein großes Umsetzungsmoment auslösen, aber auch dieses ist nicht grenzenlos.

J. B.: Hast du dir schon mal gewünscht die Taste „escape“ zu drücken?

P. B.: Ja. Ohne eine andere innere Haltung hätte ich meine Verantwortung schon mal gerne abgegeben. Beruflich habe ich mehrfach nach dem Motto: „Love, Change or Leave“ in Ermangelung „Love or Change „das „Leave“ ganz bewusst gewählt.

J. B.: Wie lange gelingt es dir Menschen zu beobachten ohne sie zu bewerten?

P. B.: Noch zu kurz.

J. B.: Was lässt dich um den letzten Zentimeter kämpfen /nicht aufgeben.

P. B.: Meine Karriere im Kajak, ein paar Marathonläufe und viele tausend Trainingskilometer.

J. B.: Ist es verrückt sich verrückt zu machen?

P. B.: Ja. Wir wissen es und tun es trotzdem (zu oft).

J. B.: Wie stehst du zum Scheitern? Bist du schon mal gescheitert? Wie war das im nachhinein? War es zu etwas gut?

P. B.: Ich habe beruflich Anfang der 2000er Jahre mehr als 50 m € im Thema mobile payments „versenkt“. Die Zeit war noch nicht reif und ich habe zu lange darum gekämpft. Privat habe ich lange eine Veränderung nicht wahrnehmen wollen und dort ebenfalls einen brutalen „disrupt“ erfahren. Obwohl beides sehr unterschiedliche Bereiche sind, geben sie die Chance für eine Neuausrichtung und neue Erfahrungen, die es ansonsten nicht gegeben hätte. Dieses zu erkennen braucht(e) in beiden Fällen Zeit und Distanz.

J. B.: Was musstest du tun um erfolgreich deinen größten Misserfolg zu produzieren?

P. B.: Mich zu stark auf etwas anderes, vermeintlich wichtiges zu fokussieren.

J. B.: War Misserfolg nötig für den Erfolg?

P. B.: Ja, das ist so.

J. B.: Was tust du für deine persönliche Entwicklung?

P. B.: Ich bemühe mich Körper und Geist in Bewegung zu halten und schaue das mein Herz nicht verkümmert.

J. B.: Vielen Dank für das Interview!

P. B.: Sehr gerne.

 

 

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