Warum Ihre Intuition über Leben und Tod entscheiden kann

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Mein Vater hatte vor einigen Tagen einen Herzinfarkt. Und ich habe es vorher geahnt. Und nichts gesagt. Wir waren auf einem Familienausflug und saßen in einem Café, als meine Mutter sagte: „Lasst uns etwas langsam machen, der Papa hat Kreislaufprobleme.“ Ich sah meinen Vater ins Gesicht und dachte: „Nein, er hat was mit dem Herz.“ Mein Vater hatte nie im Leben Herzprobleme.

Ich hatte solche Erlebnisse – wenn auch weniger dramatisch – schon sehr oft. Ich weiß an sich, dass ich ein sehr feines Gespür dafür habe, wenn etwas nicht stimmt. Und auch oft danach handle. Laut sage ich das selten.

Denn sofort schaltete sich der Verstand ein und ich begann zu rationalisieren: „Dafür gibt es keinen Hinweis, du spinnst“, „Du hast Angst, dass ihm was passiert“, „Du kannst jetzt nicht mit so einem orakelnden Spruch allen den schönen Tag ruinieren“, „Alle werden denken, dass du verrückt bist.“

Wir werden von Kindesalter an, darauf getrimmt, alles mit dem Verstand lösen zu wollen.

Was wir spüren, lernen wir weitgehend als Humbug zu ignorieren. Danach werden wir auch selten gefragt. Also schwieg ich. Es hätte Gott sei Dank keinen Unterschied gemacht. Denn es passierte in der folgenden Nacht.Trotzdem geht mir seither nicht aus dem Kopf, dass es einen Unterschied über Leben und Tod hätte machen können, wenn ich meiner Intuition vertraut hätte.

Haben Sie jemals einen Moment gehabt, wo Sie spürten, dass Sie einem Menschen, den Sie nicht kennen, vertrauen können? Oder auch dass Sie es nicht konnten, weil etwas „irgendwie“ nicht richtig ist? Vielleicht hatten Sie das Gefühl bei der Entscheidung, eine Straße runter zu gehen oder nicht, obwohl keine sichtbare Gefahr zu erkennen war? Und haben Sie dann mit den Schultern zuckte und es als unlogischen Quatsch abgetan? Haben Sie Menschen noch mal eine Chance gegeben, weil Ihr Instinkt ihnen sagte, dass da irgendwo ein Diamant verborgen ist, obwohl die rationalen Erlebnisse mit der Person dagegen sprachen? Haben Sie ein Geschäft gegründet, obwohl Umfragen dagegen sprachen und der Business Plan keinen Erfolg verhieß? Und dann hatten Sie welchen?

Bewiesen ist, dass unser Bauch bzw. der Darm, eine Art „Urgehirn“ ist, der in permanenter Wechselwirkung mit unserem Hirn steht. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Das haben Versuche gezeigt. Beide kommunizieren ständig miteinander, und zwar vor allem in eine Richtung, denn 90% der Informationen laufen vom Bauch in den Kopf, und fließen dort in Entscheidungsprozesse mit ein. Experten glauben heute: Es gibt die Weisheit des Bauches tatsächlich.

Eine kurze Definition zu Instinkt, Bauchgefühl und Intuition:

Unser INSTINKT ist unsere angeborene Neigung zu einem bestimmten Verhalten, im Gegensatz zu einer gelernten Antwort.

Unser BAUCHGEFÜHL ist eine Empfindung, die schnell im Bewusstsein erscheint, ohne dass wir uns der Gründe für ihr Vorkommen bewusst sind und auf das wir handeln können, wenn wir wollen.

Die INTUITION ist ein Prozess, der uns die Möglichkeit gibt, etwas direkt ohne analytisches Denken zu erkennen und die Kluft zwischen dem bewussten und unbewussten Teil unseres Geistes und zwischen Intuition und Vernunft zu überbrücken.

Im Wesentlichen brauchen wir sowohl Gefühl als auch Rationalität, um die besten Entscheidungen für uns, unsere Geschäfte und andere Menschen zu treffen. Unser Unbehagen, sich auf unsere Instinkte zu verlassen, beruht auf Jahrtausenden kultureller Vorurteile. Und wir vermindern damit drastisch unsere Fähigkeiten gute Entscheidungen zu treffen.

In unserer Kultur haben wir aber gelernt zu glauben, dass Rationalität herrschen sollte, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen. Ob das geschäftliche Entscheidungen sind, oder private. Das hat mit der geschichtlichen Entwicklung bzw. wissenschaftlichen Erfindungen zu tun (was hier zu erklären zu weit führen würde).

Das setzt aber die Annahme voraus, dass es möglich ist, alle Fakten zu kennen. Das ist aber unmöglich.

Intuition bei geschäftlichen Entscheidungen

In Unternehmen kann man auch sehr schön sehen, wie sich das auf die Kreativität auswirkt. Die kreativen „Spinner“ wurden (und werden oft noch) vom Rest abgetrennt, während am Konferenztisch die rationalen Entscheidungen getroffen werden. Langsam dämmert es aber auch dort, dass das ein riesiger Fehler ist. In immer mehr Unternehmen – vor allem, die neu gegründet werden – sitzen Kreative an der Spitze. Denn auch Kunden entscheiden immer emotional ob sie vertrauen oder nicht. Ob sie kaufen oder nicht. Rationale Gründe haben meist nur Alibifunktion.

Der Intuitionsforscher Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung: “Die Überbewertung von analytischen Fakten, das heißt, von Entscheidungen, die alleine auf nachvollziehbaren Gründen beruhen, führt dazu, dass viele Menschen sich immer mehr in einem Käfig von Angst und Befürchtung befinden. Intuition kann man nicht begründen. Das führt dazu, dass wir versuchen, Entscheidungen von außen absichern zu lassen, etwa durch Beratungsfirmen oder durch komplizierte Computerprogramme. Die Auswirkung dieser defensiven Haltung gegenüber der Intuition spürt die gesamte Gesellschaft: Riesige Kosten, viele Fehlentscheidungen und Aufschub der Probleme sind die Folgen.”

Intuition ist letztendlich die Grundlage für Kreativität und für neue Erfindungen @jeanbouffier   click to tweet

Wichtig ist es, die Intuition als solche wahrzunehmen und diese von Wünschen, Voreingenommenheit, Emotionen und Phantasien zu trennen. Mit Hilfe der Intuition existiert eine Möglichkeit die zunehmende Komplexität zu erfassen und eröffnet uns Handlungsspielräume, um Entscheidungen schneller und besser zu fällen.

„Je komplexer eine Entscheidung, desto mehr sollte man seinem Unbewussten vertrauen“, sagt Ap Dijksterhuis, Intuitionsforscher in seinem Buch „Das kluge Unbewusste“.

Einstein und andere Forscher hatten die größten Durchbrüche nicht am Schreibtisch, wenn sie darüber nachdachten.

Unser Hirn hat sich seit der Steinzeit nicht großartig weiter entwickelt. Das, was es verarbeiten muss aber schon. Im Grunde genommen sind wir wie Tiere. Die aber weit in die Zukunft denken und die Vergangenheit reflektieren können. Wir haben also den deutlichen Vorteil, dass wir sowohl Instinkt als auch Vernunft zur Verfügung haben. So könnten wir beides wertschätzen und nutzen. Wie bei allem im Leben, geht es um ein Gleichgewicht. Auch wenn manche Persönlichkeitstypen von Natur aus eher Herz, Bauch oder Verstand gesteuert sind.

Wir müssen die wissenschaftliche Logik nicht ablehnen, um vom Instinkt zu profitieren. Bis vor hundert Jahren war der Wissenschaft nicht einmal die Rolle unseres Unterbewusstseins klar, aber die Studien zeigen nun, dass nur 20 Prozent der grauen Masse unseres Gehirns, den bewussten Gedanken gewidmet ist, während 80 Prozent für unbewusste Gedanken genutzt werden. Während das Hirn dem Menschen so ununterbrochen Beweggründe für sein eigenes Handeln vorgaukelt, enthält es ihm die wirklichen Entscheidungsprozesse vor. Spätestens hier sollte einem ein Licht aufgehen.

Wie können wir also die besten Entscheidungen für uns selbst treffen?

Ohne die unbewussten Teile unseres Seins auszuschließen? Durch Selbstwahrnehmung und Vertrauen und Dialog.

Das Bewusstsein ist ein Experte der Logik und folgt kausalen Zusammenhängen. Das Unbewusste wird durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verbindet sich mit Emotionen und Gefühlen auf nichtlineare Weise. Sein Prozess ist kryptisch für den logischen Verstand, da er nicht den herkömmlichen Gesetzen von Zeit und Raum folgt.

Intuition und der Verstand haben dasselbe Ziel nämlich die für uns richtigen Entscheidungen zu finden. Ihr Unterschied liegt in der Art und Weise wie sie das tun.

Wofür brauche ich Intuition?

Sie können Ihre Intuition nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Bessere Entscheidungen sind solche, die nicht nur Fakten berücksichtigen, sondern gleichzeitig mit Ihrer Persönlichkeit und Ihren Bedürfnissen voll und ganz im Einklang stehen. Oft entstehen dabei neue und sehr kreative Lösungen.

Für eine solche ganzheitliche Entscheidung brauchen wir Verstand, Intuition und Emotion.

Was also kann man machen, um beides besser zu vereinen?

1. Meditation ist ein guter Weg um sich besser spüren zu können. Und mehr Vertrauen in das eigenen Gefühl zu haben. Im klassischen Sinne ist sie Absichtslos. Allerdings habe ich Verblüffendes erlebt, wenn ich eine rationale Frage formuliert, aufgeschrieben und danach meditiert habe. Wenn Sie mit Meditation  anfangen wollen, finden Sie hier eine Einführung:

2. Persönlichkeitsentwicklung: Ein Bewusstsein dafür zu haben, welche Ängste und Erfahrungen unsere Wahrnehmung beeinflussen und welche Programme aus der Vergangenheit uns steuern, hilft ebenfalls Vertrauen in uns zu haben.

3. Schreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle auf. Das hilft dem Unbewussten, sich zu öffnen. Schreiben Sie unzensiert (!) und nicht wertend (!) auf, was Ihnen grade alles durch den Kopf schießt. Schalten Sie wirklich den inneren Kritiker aus. Oftmals rationalisieren wir diese Stimmen im Inneren. Papier urteilt nicht und findet Sie auch nicht lächerlich.

Und ein letzter Tipp: Wenn Sie sich nicht entscheiden können, denken Sie die Optionen gut durch. Dann werfen Sie eine Münze. Ihr Bauchgefühl wird ihnen sofort sagen, ob Ihnen das Ergebnis gefällt oder nicht.

Wenn es wirklich um Alles geht, ist es besser sich lächerlich zu machen als den Mund zu halten. Die Lektion habe ich gründlich gelernt.

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