Müssen Sie es sich verdienen, etwas zu bekommen?

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Ich habe dieses Jahr ein Gedicht geschrieben. Ich war um 6 Uhr aufgewacht und die Worte waren einfach da. Das Gedicht stand fertig in meinem Kopf. Ich tippte es in mein Handy. Drückte auf „Senden“. Und erschrak mich zu Tode. Ich hatte mich komplett von meinem Herzen leiten lassen. Jemandem Zugang dazu gegeben. Ich hatte mich sehr verwundbar gemacht. Das Gegenüber konnte dem mit Wertschätzung begegnen oder mit Arroganz. Das Gedicht war draussen und außerhalb meiner Kontrolle.

Wenige Wochen später war ich deswegen wütend auf mich selbst. „Der Mensch hat es nicht verdient“ dachte ich mir. „Perlen vor die Säue“ wütete ich innerlich weiter und schlug zu. Und war eigentlich nicht wütend, sondern enttäuscht. Wie das meist so ist, wenn man unter der Wut etwas tiefer gräbt.

Dann verschob sich die Perspektive: Muss man es sich immer verdienen etwas zu bekommen? Ist das, was man aus vollem Herzen, mit aller Ehrlichkeit einem Anderen gibt, jemals schlecht oder falsch? Sollte ich, wenn ich etwas gebe, direkt etwas raus bekommen?

Nein.

Ich war nicht mehr wütend. Denn die Perspektive verschob sich weiter. Vielleicht hatte der Mensch es nicht „verdient“. Aber vermutlich sehr gebraucht.

In manchen Menschen kann man die schwarzen Löcher förmlich fühlen. Die permanent reißenden Hunger haben. @jeanbouffier click to tweet

In unserer Welt laufen unglaublich viele verletzte Seelen herum, denen das selbst gar nicht klar ist. In manchen Menschen kann man die schwarzen Löcher förmlich fühlen. Die permanent reißenden Hunger haben. Nach Bestätigung, nach Anerkennung, nach Liebe, nach Bedeutung. Verdient durch Perfektion, äußerlichen Erfolg, Einsatz. Im Social Media ist es leicht zu erkennen. Da wird ohne nachzudenken verschickt und gepostet, nur um eine Reaktion zu bekommen. Jede Antwort, jeder Smiley ist Futter für das schwarze Loch. Das geht so weit, dass dafür andere instrumentalisiert werden. Das nur gegeben wird, um zu bekommen. Das ist für denjenigen der süchtig ist nach Bestätigung genauso schlimm wie für das Gegenüber. Denn dieser reißende Abgrund ist nie satt, wenn der Mensch nicht herausfindet, woher er kommt.

„Wer am Morgen nichts zu Essen bekommen hat,
wird am Mittag sehr hungrig sein.
Bekommt er am Mittag nichts zu essen,
wird der Hunger am Abend unstillbar sein.“

Osho

Menschen entwickeln Verhaltensmuster um zu bekommen, was ihnen fehlt. Ich glaube sehr an den Satz:

Jeder Mensch macht es so gut wie er es gerade kann und seine Steuerungsprogramme zulassen. @jeanbouffier click to tweet

Bereuen Sie nie, was Sie aus vollem Herzen gegeben haben. Sei das für den/die Partner(in), einen Freund, die Familie oder der Chef. Das heißt nicht, dass man endlos geben soll. Irgendwann ist es auch nötig zu sagen: „Bis hier hin und nicht weiter.“ Die eigenen Grenzen zu achten, dafür ist man letztlich selbst verantwortlich.

Die eigenen Motivation hinterfragen

Wenn Sie das Gefühl haben immer zu helfen aber von Anderen benutzt zu werden, stellen Sie sich die folgenden Fragen mal ganz ehrlich:

  • Warum mache ich das? Will ich geliebt werden? Will ich Bestätigung haben? Will ich Anerkennung bekommen?
  • Bin ich als Kind nur beachtet/geliebt/wertgeschätzt worden, wenn ich etwas für Andere getan habe?
  • Habe ich ein schlechtes Gewissen wenn ich „nein“ sage?
  • Erlaube ich mir, gut für mich selbst zu sorgen?
  • Welcher „Antreiber“ sitzt mir im Nacken und was sagt der?
  • Wie haben Ihre Eltern reagiert, bzw. was haben Sie von Ihren Eltern zu hören bekommen, wenn Sie nicht das getan haben, was verlangt wurde?
  • Sagen Sie sich das heute selbst?

Vor Kurzem war ich auf einer Business Coach Weiterbildung. Wir sahen ein Video, in dem Gerald Hüther darüber spricht, dass wir diesen Planeten zerstören, weil wir als Mensch Bedeutsamkeit erlangen wollen. Wäre uns klar, dass wir die – so wie wir sind – schon haben, würden wir mit uns, Mitmenschen und unseren Ressourcen ganz anders umgehen. Hier ist der Link zum Video.

Die Perspektive wechseln:

Es hilft sich ab und zu zu fragen: Warum denken ich, was ich gerade denke? Warum fühle ich, was ich gerade fühlen? Was fühle ich eigentlich?

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  • Mut zur Verletzlichkeit zu haben ist eine große Stärke.
  • Ebenso, immer wieder das Herz für Menschen aufzumachen.
  • Wenn jemand Vertrauen missbraucht, sagt das etwas über den andern. Nicht über einen selbst.
  • Wir lernen an jeder Erfahrung und können daran wachsen.
  • Energie versucht immer in Balance zu sein. Was ich gebe kommt zu mir zurück. Positiv und negativ.
    Es kommt nur nicht immer aus der gleichen Richtung.
  • Die meisten Menschen sind nicht bösartig, sondern in uralten Verhaltensmustern gefangen.
    Man muss es nicht tolerieren aber wenn man das versteht, wird man immun für viele Dinge, die andere tun.

Ähnlich ist es mit unserer Arbeit oder Projekten an denen wir arbeiten. Wenn wir wirklich lieben, was wir tun, ist es egal ob wir damit Erfolg haben oder auch mal scheitern. Wir lernen immer daran und machen Erfahrungen, die bei weiteren Projekten helfen. Besonders Menschen die kreativ arbeiten oder neues schaffen, machen sich verletzlich und angreifbar. Denn darin steckt immer viel Herzblut. Es braucht ein gesundes, kreatives Selbstbewusstsein aus der Komfortzone zu gehen. Dieses Jahr habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt und mit meiner Partnerin „How to create a Unicorn“ gegründet um Unternehmen darin zu unterstützen, ein Umfeld für Kreativität und Innovation zu schaffen.

Was denken Sie über das Video und zum Thema Bedeutsamkeit?
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